Praxisfall
Eine Handwerksfirma klagt auf Zahlung offener Werklohnforderungen. Da der Auftraggeber nicht zahlt, erhebt die Firma Klage beim zuständigen Amtsgericht. Nach Beweisaufnahme und Zeugenvernehmung erhält sie ein vollstreckbares Urteil. Grundlage: Die Zivilprozessordnung (ZPO) regelt, wie zivilrechtliche Ansprüche vor Gericht geltend gemacht und durchgesetzt werden.
Das Zivilprozessrecht umfasst die formellen Regeln für Verfahren vor den Zivilgerichten. Es bestimmt, wie Klagen erhoben werden, wie Beweise erhoben werden, welche Fristen gelten und wie Urteile vollstreckt werden. Ziel ist ein geordnetes Verfahren, das den Anspruch auf rechtliches Gehör und faires Verfahren sicherstellt.
Wichtig zu wissen
Das Zivilprozessrecht regelt nicht, ob ein Anspruch besteht, sondern nur, wie er vor Gericht durchgesetzt wird. Klagen müssen bestimmte formale Anforderungen erfüllen (§ 253 ZPO), und Beweise müssen rechtzeitig vorgebracht werden. Versäumte Fristen können zum Verlust des Prozesses führen.
Typische Themen des Zivilprozessrechts:
- Klageerhebung und Klagearten
- Zuständigkeit von Amts- und Landgerichten
- Beweisaufnahme (Zeugen, Urkunden, Sachverständige)
- Fristen und Säumnisfolgen
- Rechtsmittel wie Berufung und Revision
- Vollstreckung von Urteilen
Häufige Irrtümer
- „Der Richter ermittelt alles von selbst.“ – Im Zivilprozess gilt der Beibringungsgrundsatz: Parteien müssen Tatsachen und Beweise selbst vortragen.
- „Ein Urteil ist sofort vollstreckbar.“ – Erst mit Rechtskraft oder vorläufiger Vollstreckbarkeit kann es durchgesetzt werden.
- „Fristen können immer verlängert werden.“ – Nur mit berechtigtem Grund und rechtzeitigem Antrag.
Der Zivilprozess beginnt mit einer schriftlichen Klage. Das Gericht prüft Zuständigkeit und Zulässigkeit, dann den materiellen Anspruch. Nach der Beweisaufnahme ergeht ein Urteil. Gegen Urteile können Rechtsmittel eingelegt werden – Berufung bei Fehlern in der Tatsachenfeststellung, Revision bei Rechtsfehlern. Auch einstweilige Verfügungen und Arrestverfahren gehören zum Zivilprozessrecht, wenn schnelles Handeln nötig ist.
FAQ – Häufige Fragen zum Zivilprozessrecht
Wie lange dauert ein Zivilprozess?
Je nach Komplexität zwischen wenigen Monaten und mehreren Jahren.
Muss ich im Zivilprozess einen Anwalt haben?
Vor Landgerichten besteht Anwaltszwang, vor Amtsgerichten nicht – dennoch ist anwaltliche Vertretung meist sinnvoll.
Was kostet ein Zivilprozess?
Die Kosten richten sich nach dem Streitwert und umfassen Gerichts- und Anwaltsgebühren.
Kann ich Beweise auch später vorbringen?
Nur, wenn sie unverschuldet erst später bekannt wurden – sonst droht Präklusion.
Was passiert, wenn ich einen Gerichtstermin verpasse?
Es kann ein Versäumnisurteil gegen Sie ergehen, das sofort vollstreckbar ist.
Wie kann ich ein Urteil vollstrecken?
Über Gerichtsvollzieher oder Zwangsvollstreckungsmaßnahmen gemäß ZPO.
Von erfahrenen Fachanwälten prüfen lassen – vertraulich und ohne Risiko anfragen.